Monat August

Diagnostik und Therapie einer Spätkomplikation nach Trauma mit DVT

Die 17jährige Patientin wurde im August 2009 bei Ihrem Hauszahnarzt vorstellig, weil sie eine ästhetische Korrektur der Verfärbung des Zahnes 11 wünschte (Abb. 1). Nach Anfertigung einer Einzelzahnaufnahme (Abb. 2) wurde die Patientin überwiesen mit der Bitte um Beurteilung der Erhaltungswürdigkeit des Zahnes. Anamnestisch wurde ein Frontzahntrauma an Zahn 11 und 21 im Alter von 7 Jahren erwähnt. Die Befundung der Fremdröntgenaufnahme ließ folgende Verdachtsdiagnosen zu:

  • Resorption im Bereich des apikalen Wurzeldrittels, 
  • unvollständige Wurzelfüllung und 
  • infolge der Divergenz der Wurzelkanalfüllung eine Längsfraktur der Wurzel.

Um letztgenannte Verdachtsdiagnose auszuschließen wurde eine Digitale Volumentomographie (DVT) angefertigt.
Die Auswertung der DVT bestätigte das Vorhandensein einer nur mesial gelegenen Perforation der Zahnhartsubstanz und einer intraossären Läsion (Abb. 3). Zusätzlich bestätigte sich der Verdacht auf eine unvollständige Wurzelfüllung (Abb. 4). In keiner Schnittebene konnte apikal ein Wurzelkanalverlauf dargestellt werden, bzw. der Verdacht einer Längsfraktur erhärtet werden.

Therapie

Unter absoluter Trockenlegung erfolgte die Entfernung der Wurzelfüllstifte (Abb. 5). Im Bereich der Perforation in das Wurzelkanallumen proliferiertes Weichgewebe wurde ent- fernt (Abb. 6). Nach Blutstillung durch Spülung mit 10 ml Chlorhexidin 2% konnte irregulär strukturiertes Reizdentin eingesehen werden (Abb. 7). Es folgte eine medikamentöse Einlage mit Kalziumhydroxid und ein temporärer Verschluß. In der zweiten Behandlungs- sitzung wurde das Kalziumhydroxid durch ultraschallaktivierte Spülung mit 10 ml Natrium- hypochlorid 5,25% entfernt. Unter Berücksichtigung der stark geschwächten Wurzelkanal- wandungen erfolgte keine mechanische Bearbeitung des Wurzelkanals. Nach Spülung mit 10 ml EDTA 17% und 10 ml Chlorhexidin 2% wurden zunächst das Reizdentin und die Perforation mit MTA dünn abgedeckt (Abb. 8). Angefeuchtete Schaumstoffpellets wurden eingelegt und provisorisch verschlossen. In der dritten Sitzung erfolgte die Platzierung einer zweiten Portion MTA's und erneuter provisorischer Verschluß (Abb. 9). In der vierten und letzten Behandlungssitzung wurden Kanallumen und Zugangskavität dentinadhäsiv gefüllt. Ein individualisierter DT light-post SL wurde als Makrofüller inseriert. Die abschließende Röntgenaufnahme zeigt eine Transluzenz innerhalb des MTA's und keine intraossären Aufhellungen (Abb. 10). Nach einem Jahr erfolgte die Verlaufskontrolle mittels DVT: eine deutliche Reduktion der Läsion ist erkennbar (Abb. 11, vgl. Abb. 3).

Marc I. Semper, Köln,
semper@endotainment.com

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